Seltener Besuch im Gemüsegarten

Raupen habe ich oft im Gemüsegarten. Meist ungebetene Gäste, die meinen Kohl futtern, wenn ich ihn nicht unter Netzen verstecke. Oder solche, die im Frühjahr den Apfelbaum halb kahl fressen, wenn man sie lässt. Aber diese hier war zum ersten Mal zu Besuch. Es ist vermutlich die Raupe eines Tagpfauenauges, also eines Schmetterlings. Sie lebt auf und von Brennesseln. Nun mag man ja über meinen Gemüsegarten sagen, was man will: JA, es gibt jede Menge „Unkraut“. JA, es gibt haufenweise Zeug, das auf den Beeten herumliegt und verrottet (wir Bio-Gärtner nennen das Mulch und finden das gut, auch wenn es manchem Besucher unschön vorkommt). Und ein letztes JA: Wenn irgendwo was freiwillig wächst, was da nicht wahnsinnig stört, dann darf es bleiben. Aber NICHT Brennesseln im Gemüse. Da bin ich pingelig. Ich habe oft genug beim schnellen Ernten von ein paar Rucolablättchen oder einer Möhre in Brennesseln gefasst, um hart durchzugreifen. Mein Gemüsegarten ist brennesselfrei – außer wenn sie als Mulch dienen oder als Jauche vergossen werden. Die Raupe ist also auf Abwegen. Sie kommt vermutlich von der Wildwiese des Nachbargrundstücks, die gestern gemäht wurde. Sie ist ein Flüchtling. Ich würde ihr gern Asyl bieten, aber da sie im Raupenstadium auf Brennesseln fixiert ist, wird sie wohl von allein weiterwandern. Und die gute Nachricht ist: Nur wenige Meter weiter beginnt unsere Streuobstwiese, ein Brennesselparadies. Zumindest aus Raupensicht …