Familie Könes - Lastenrad als Famlienkutsche

Familie Könes - Lastenrad als Famlienkutsche
Mit dem Kind kam dann auch schon bald die Entscheidung zu einem geräumigeren Fahrrad.

Liebe Fahrradfreunde aus Korschenbroich und die, die es jetzt werden möchten.

Von einer lieben Nachbarin wurde ich gebeten, einen kleinen Erfahrungsbericht zu
unserem Lastenfahrrad „Babboe City“ zu schreiben, und das tue ich sehr gerne, da
man deutlich merken kann, dass immer mehr Menschen an solch einem Fahrrad
interessiert sind …

Ehe 2014 unser Sohn geboren wurde, waren wir fast ausschließlich auf dem Fahrrad
anzutreffen, ein Auto war und ist vorhanden, aber bis dahin eigentlich nur zum
Einkaufen und für weiter entfernte Ausflugsziele. Den Weg zur Arbeit, die kurze
Erledigung im Nachbarort, Besuch von Freunden und Partys, alles wurde mit dem
Fahrrad erledigt, insbesondere unsere geliebten, ausgiebigen Sonntagsausflüge.
Bevorzugt bei gutem Wetter haben wir uns morgens auf den Sattel gesetzt und
kamen erst am späten Nachmittag zurück, da kam man schon einmal schnell auf 40 –
60 km, von Wuppertal nach Hause waren es einmal sogar stattliche 83 km.

Bis kurz vor der Geburt im August 2014 war dies unser regelmäßiger
Fahrrad-Alltag. Nach diesem zweifelsfrei schönsten Ereignis wurde uns dann
schnell klar, das Fahrradfahren fehlt uns im neuen Familienzusammenleben am
meisten! Mein Mann nutze weiterhin jede freie Minute für eine kleine Fahrt, aber
mir blieb dann zwangsläufig nur die Kinderwagenrunde zu Fuß. Bis zu dem Tag, an
dem wir zufällig einen Fernsehbericht über Lastenräder und deren breites
Nutzungsspektrum sahen. Das Internet klärte uns schnell über diverse Hersteller,
Modellvarianten und Händler auf. In zwei Fahrradläden in Düsseldorf nutzen wir
dann die Chance zu Probefahrten verschiedener Räder und entschieden uns doch
recht schnell für das zweirädrige Modell „City“ (ohne Elektroantrieb) von der
Firma Babboe. Wir kauften es auch brav im Einzelhandel, nicht im Internet. Das
war dann gleich im Oktober 2014. Sie sehen, wir haben es nur zwei Monate ohne
gemeinsames Fahrradfahren ausgehalten. In unserer Umgebung waren wir die
zweiten, die man mit einem solchen Fahrrad auf den Straßen sehen konnte …

Für unser „Long vehicle“ gab es optional einen Maxicosi-Halter, der das sichere
Einspannen einer Babyschale ermöglicht. Dieser war für uns natürlich Pflicht für
ein zwei Monate altes Baby. Der Halter ist gefedert, sodass das Kind keine
harten Erschütterungen durch Bordsteine oder Schlaglöcher aushalten muss.

Von nun an, nahmen wir unsere gewohnten Fahrradtouren wieder auf, wenn auch in
etwas abgespeckter Form. Sicher hat kein Baby Lust, acht Stunden an einem
Sonntagsausflug im Maxicosi zu verbringen, aber immerhin erreichten wir all
unsere nahegelegenen Ziele wieder mit dem Rad, statt dem Auto. Bereits im
Frühjahr 2015 stand unser Tacho dann schon auf den ersten 1.111 absolvierten
Kilometern.

Auch Einkaufen ist kein Problem mit der großzügig geschnittenen Holzkiste
zwischen Vorderrad und Lenker. Sogar Getränkekästen lassen sich transportieren,
dann allerdings aus Platzgründen ohne Kind. Das Dach, das bei Bedarf schnell
abgebaut werden kann, sorgt sicheren Schutz vor unliebsamen Witterungen. Der
große Schnitt des Rades bietet leider eine große Angriffsfläche für Wind, das
ist der einzige nennenswerte Nachteil des Lastenrades, insbesondere mit
montiertem Dach. Auf der Straße bekommt man dann immer wieder bestaunende oder
interessierte Blicke von den Mitmenschen mit. Viele Fragen auch, was das denn
sei, ob wir es selbst gebaut hätten, wie sich so ein „Monster“ denn fahren ließe
etc.. Das Interesse ist also absolut da, gerade mit Kind an Bord. Auch für
Hundefreunde gibt es übrigens eine Variante mit Einstiegsklappe.

Vielleicht ein paar Worte zum anfänglichen Fahrgefühl, das ist immer wieder die
Frage von faszinierten Beobachtern. Wir haben dreirädrige Modelle getestet und
das zweirädrige „City“. Schnell war klar, dass die Dreiräder viel zu
schwerfällig für uns Vielfahrer ist. Für kurze Strecken und wirklich schwere
Lasten ist ein Dreirad aufgrund der besseren Gleichgewichtssituation sicher
geeigneter, aber um zügige Touren in der Freizeit zu unternehmen, empfehlen wir
unbedingt ein Zweirad. Wir fahren übrigens locker auch schon einmal 25 km/h
damit (ohne Wind). Schnell gewöhnt man sich an die Fahrweise, man darf anfangs
nur nicht nach unten sehen und zu viel überlegen. Einfach nach vorne schauen und
losfahren. Im Prinzip fährt es sich wie ein normales Fahrrad nur mit größerem
Wendekreis. Autos die von hinten überholen, unterschätzen die Länge des Rades
und wollen schnell wieder einscheren, da sie nicht damit rechnen, dass das
Fahrrad so lang ist. Das ist der Grund, warum wir uns diese eher albernen „Long
vehicle“ Aufkleber angeschafft haben.

Mittlerweile ist unser Sohnemann zweieinhalb Jahre alt und sitzt in der Kiste
brav auf seiner Sitzbank, die genauso wie die dazugehörigen Anschnallgurte zum
Lieferumfang des Rades gehören.

Alles in allem ist das Fahrrad mit knapp 1.500 € Anschaffungswert natürlich
alles andere als günstig, aber für fahrradbegeisterte Vielfahrer, die lieber das
Auto einmal zu viel stehen lassen wollen, als zu wenig, lohnt es sich allemal.
Insbesondere für Familien, Hundebesitzer und Autolose in dörflichen Regionen
ist ein solches Fahrrad der Kauf wert. Bis auf die Autolosen ersparen sich alle
Interessierten dabei natürlich auch die sonst verfahrenen Spritkosten, die
heutzutage ja nicht zu unterschätzen sind. Und, insbesondere für diese
Interessengemeinschaft wichtig, wir denken an die Umwelt! Außerdem lassen sich
die Fahrräder zumindest im Moment noch sehr gut weiterverkaufen, falls die
Familie dann doch irgendwann über 4 Kinder, die theoretisch in die Holzkiste
passen, hinausgeht
.

Also, gehen Sie in die Läden und probieren Sie ein Lastenrad aus, es macht
wirklich viel Spaß und eröffnete einem viele Möglichkeiten, das Auto stehen zu
lassen.

Liebe Grüße

Familie Könes

Kommentare

Auch 60 kg Hühnerfutter lassen sich gut auf dem (geliehenen - Danke!!!) Rad transportieren. Und ja, das Losradeln mit dem "Lastenesel" geht recht einfach. Gut war die Warnung, dass mir nachher mein EIGENES Fahrrad komisch vorkäme. Unglaublich aber total wahr!!!

Jutta Profijt